Hier zunächst die Mail von Harro
Naggert aus Bispingen:
Liebe Trauergemeinde,
mit tiefer Bestürzung habe ich heute Kenntnis erhalten, dass der von uns so oft geliebthaßte dritte Satz durch den NTV verstorben wurde.
Seltsam nur, dass die Basis der Tennisspieler darüber nie nicht gefragt getan worden ist.
Aus diesem Anlass hier ein paar letzte Worte:
Ode in 3 Sätzen:
Leb wohl mein lieber, dritter Satz,
Ich mochte ihn gar sehr,
Doch leider ward er abgeschafft,
Nun gibt es ihn nicht mehr.
Statt dessen kommt der Match-Tiebreak,
Dies fiese, glückhaft Ding,
Was nützt mir jetzt die Kondition,
Die Gegner niederringt ?
Vorbei die Zeit der langen Kämpfe,
Auf die man sich hat so gefreut,
Nun schlägt er zu, der Lucky-Punch,
Der mir den Spaß verbeult.
Der Gegner hätte wohl nur Kraft
Für einen einz´gen Satz,
Doch ist dies ab sofort egal,
Denn Tie-Break geht ratz-fatz.
Doch halt, ein riesen Vorteil bleibt.
Den darf man nicht vergessen.
Er optimiert die Planbarkeit,
Ich bin jetzt schnell beim Essen.
Was war´n das doch für schöne Tage,
Da Spielen mehr war als nur die Zeit.
Und der Verband der Spieler Wünsche
Zu hören war bereit.
Doch unser Tennis-Sportverband,
Der lange uns schon leitet,
Weiß besser noch als wir genau,
Was Spaß für uns bedeutet.
Noch besser wüßt er´s allerdings,
Und das ist kein Klischee,
Hätt` er sich doch mal umgehört,
Nach der Basis Wohl und Weh.
Wahrscheinlich seh´ ich´s viel zu schwarz,
Der Tie-Break ist wohl richtig,
Entschieden hat es der NTV,
Und der Verband ist wichtig.
Drum höre ich jetzt auf zu meckern,
Ich ärger´ mir sonst noch ´nen Wolf.
Nun pack´ ich meine Sportklamotten
Und spiele dann ´ne Runde ….
Wer sich in das Kondolenzbuch eintragen möchte, tue das bitte, indem er diese Mail an seine Tennisfreunde weiterleitet.
In tiefer Trauer
Harro
Und hier die Antwort des NTV:
„Ab der Sommersaison 2012 ist in allen Spiel- und Altersklassen der dritte Satz im Einzel und im Doppel als Match-Tiebreak (bis 10 Punkte) zu spielen.
Seitenwechsel nach jeweils sechs gespielten Punkten.
Das Match-Tie-Break-Ergebnis ist mit dem tatsächlich erzielten Ergebnis in nuLiga einzugeben (z.B. 10:2 oder 15:13). In der Tabelle wird der Match-Tie-Break bei den Sätzen und Spielen automatisch mit jeweils einem Punkt gewertet.“
So lautet die offizielle Entscheidung der NTV-Sportkommission und die Bestätigung im Präsidium. Die Entscheidung ist mehrheitlich (nicht
einstimmig!) beschlossen worden. Kein Sportkommissionsmitglied hat sich die Entscheidung leicht gemacht. Müsste ich nur für mich als Tennisspieler entscheiden, wäre meine Entscheidung nicht für den Match-Tiebreak (MT) gefallen.
Dennoch habe ich mich aus verschiedenen Gründen für den MT im NTV entschieden. Wir können unsere Wettspielordnung nicht losgelöst von Entwicklungen im Deutschen Tennisbund sehen. So haben bereits fast alle Landesverbände (z.B. Bayern, Württemberg, Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordwest, Mittelrhein, Niederrhein, usw.) für alle Altersklassen im Mannschaftswettbewerb den MT. Im Niedersächsischen Tennisverband spielt die Jugend nur noch MT. Spieler in Jugendmannschaften spielen beispielsweise samstags MT und am Sonntag gegebenenfalls in Aktivenmannschaften den dritten Satz. Alle ranglistenrelevanten Turniere (einschließlich LK-Turniere) werden im MT entschieden.
In den oberen Spielklassen (Bundesliga, Regionalliga, Nordliga) wird nur nach dem MT gespielt. Bei uns ebenfalls in den „älteren“ Altersklassen.
Dabei kommt es in den größeren Vereinen zu absurden Gegebenheiten. Verdutzte Zuschauer wissen häufig nicht, nach welcher Regel gespielt wird. Spielstarke Athleten spielen den MT, nebenan ein unterklassiges Spiel im dritten Satz.
Kaum nachvollziehbare Entscheidungen der Verantwortlichen.
Umfragen auf allen Ebenen mit unterschiedlichen Ergebnissen hat es einige gegeben. Selbst der DTB-Seniorenreferent Jürgen Vollstaedt, ein Verfechter des „dritten Satzes“, hat sich in der Zwischenzeit der Mehrheit beugen müssen.
Übrigens wird aus den Erfahrungen mit dem MT fast nur positiv berichtet. Die Argumente sind ausreichend ausgetauscht. Wir mussten reagieren und eine einheitliche Spielform schaffen. Im Deutschen Tennisbund ist die Rückführung zum „dritten Satz“ undenkbar. Um der Verwirrung ein Ende zu geben, kommt nur (evtl. leider) die Einführung des Match-Tiebreaks in Frage.
Auch wenn diese Antwort für Sie nicht befriedigend seien wird, hoffe ich dennoch, dass Sie für die Entscheidung zur Einführung des Match-Tiebreaks Verständnis aufbringen.
Viele Grüße und eine erfolgreiche Tennissaison
Niedersächsischer Tennisverband e.V.
Henner Steuber
Vizepräsident und Leiter des Ressorts Sport